GFA stellt Bürgermeisterkandidat

Einstimmiges Votum für Ratsmitglied Hans-Hermann Meyerholz – Alternativen zur Auricher Stadtpolitik gefordert

clip_image007Aurich (gfa) – Ein­stim­mig haben die Mit­glie­der der Wäh­ler­ge­mein­schaft „Gemein­sam für Aurich“ (GfA) Hans-Her­mann Mey­er­holz zu ihrem Kan­di­da­ten für die dies­jäh­ri­ge Bür­ger­meis­ter­wahl in Aurich gewählt. „Wir wol­len das die Auricher eine wei­te­re Wahl­mög­lich­keit haben“, erklär­te GfA-Vor­sit­zen­de Karl-Heinz Höf­ker zur über­ra­schen­den Kan­di­da­ten­kür. Die­se war zwar kurz­fris­tig aber noch recht­zei­tig für den heu­ti­gen Mon­tag (7.4.) als Son­der­sit­zung im Hotel am Schloss ein­be­ru­fen wor­den.

Hans-Her­mann Mey­er­holz, der bei der Kom­mu­nal­wahl 2011 als GfA-Rats­mit­glied in den Auricher Stadt­rat gewählt wur­de, begrün­de­te sei­ne Kan­di­da­tur auch mit sei­nen Erfah­run­gen in der Auricher Kom­mu­nal­po­li­tik. Poli­tik müs­se nicht nur unter­ein­an­der, son­dern auch mit den Bür­gern der Stadt dia­log­fä­hi­ger wer­den, beton­te er.

Bürgerbeteiligung bei Entscheidungsfindung erforderlich

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Als Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung bezeich­ne­te Mey­er­holz die Bür­ger­be­tei­li­gung zur künf­ti­gen Nut­zung des Gelän­des der ehe­ma­li­gen Blü­cher­ka­ser­ne. In glei­cher Wei­se hät­te man auch die Ent­schei­dun­gen zur Umge­stal­tung des Hohen Walls oder des Georgs­walls behan­deln kön­nen, sag­te Mey­er­holz vor den zu unge­wohn­ter Stun­de zahl­reich erschie­nen GfA-Mit­glie­dern.

Kri­tisch wer­te­te Mey­er­holz die Ent­schei­dung des Rates zur Grün­dung der „Auricher Stadt­wer­ke Hol­ding GmbH“ am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag (3.4.), die mit nur vier Gegen­stim­men beschlos­sen wur­de. Dadurch ist die Stadt nun ver­pflich­tet, aus dem öffent­li­chen Haus­halt 6.94 Mil­lio­nen Euro als Stamm­ka­pi­tal in das Unter­neh­men ein­zu­zah­len. 4.66 Mil­lio­nen wer­den vom Wind­an­la­gen-Her­stel­ler Ener­con über­wie­sen, der mit 40 Pro­zent an der Hol­ding betei­ligt ist. Dar­über hin­aus muss die Stadt eine Bürg­schaft in Höhe von rund 18 Mil­lio­nen Euro über­neh­men, um die für das Unter­neh­men erfor­der­li­chen Kre­di­te auf­neh­men zu kön­nen.

Stromnetz-Übernahme durch Enercon und Stadt Aurich

HHM_2Aurich beab­sich­tig­te zudem auf eine aut­ar­ke Strom­ver­sor­gung zu set­zen und die Stadt vom bis­he­ri­gen Ver­bund­netz der EWE auch phy­si­ka­lisch zu tren­nen. Allein die­se Maß­nah­me wer­de wei­te­re Mil­lio­nen Euro kos­ten, erklär­te Mey­er­holz. Eine sol­che Insel­lö­sung stün­de jedoch quer zu den Über­le­gun­gen der Bun­des­re­gie­rung und der EU. Über die Fol­ge­kos­ten hät­ten sich augen­schein­lich nur weni­gen ernst­haf­te Gedan­ken gemacht, erklär­te Mey­er­holz. Nach Lage der Din­ge ber­ge der Auricher Son­der­weg, der im Inter­es­se von Ener­con läge, erheb­li­che finan­zi­el­le und auch tech­nisch-phy­si­ka­li­sche Risi­ken

In einem von Fach­leu­ten sehr beach­te­ten Vor­trag, hat­te sich Mey­er­holz Anfang Novem­ber 2013 im Rat der Stadt Auric für die Teil­nah­me am Pro­jekt „Schau­fens­ter Intel­li­gen­te Ener­gie“ des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums aus­ge­spro­chen. Die­ses wird mit 40 Mil­lio­nen Euro geför­dert und sieht unter ande­rem auch die Mög­lich­keit „aut­ar­ker Strom­ver­sor­gung“ vor – aller­dings nur mit einer soge­nann­ten „vir­tu­el­len Netz­tren­nung“. Damit soll die Ver­sor­gungs­si­cher­heit der Bür­ger gewähr­leis­tet wer­den kön­nen.

Rechtsunsicherheiten beim Ausschreibungsverfahren

HHM4Unab­hän­gig davon stün­de das Vor­ha­ben der Stadt ins­ge­samt auf recht­lich wacke­li­gen Füs­sen. Dies gehe aus der Urteils­be­grün­dung des BGH her­vor, die Mit­te März ver­öf­fent­licht wur­de. Danach müs­sen Gemein­den den Kon­zes­sio­när für ihr Strom­netz in einem dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en und trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren aus­wäh­len.

Das gel­te auch im Fall der Über­tra­gung an einen Eigen­be­trieb. Vor die­sem Hin­ter­grund hat­te die EWE am 31. März 2014 in einem Schrei­ben an den Auricher Bür­ger­meis­ter Heinz-Wer­ner Wind­horst ihre recht­li­chen Beden­ken dar­ge­legt. Die GFA-Frak­ti­on hat­te sich dar­auf­hin für die Neu­aus­schrei­bung der Netz­kon­zes­sio­nen aus­ge­spro­chen und einen ent­spre­chen­den Antrag im der Rat der Stadt Aurich ein­ge­bracht. Für Aurich wäre dies der ein­fachs­te und effek­tivs­te Weg, um bestehen­de Rechts­un­si­cher­heit aus­zu­räu­men.

Nichtbefassung abgelehnt

2014-04-03_0013_2Mit nur vier Gegen­stim­men wur­de der Antrag der GfA ohne nähe­re Befas­sung abge­lehnt. Aus der SPD-Frak­ti­on kam sogar ein Geschäfts­ord­nungs-Antrag, in dem der Rat auf­ge­for­dert wur­de, sich mit den Dar­le­gun­gen der GfA nicht wei­ter zu befas­sen. Die­sen Antrag lehn­te der Rat aller­dings mehr­heit­lich ab.

Der Ver­lauf die­ser aber auch ande­rer Rats­sit­zun­gen habe ihn, Mey­er­holz, den letz­ten Anstoß gege­ben, als Bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat der GfA anzu­tre­ten. Nicht nur der Fall „Net­zankauf“ zei­ge, wie ent­schei­dend Offen­heit und Trans­pa­renz in der Poli­tik sei. Der­art fol­gen­rei­che Ent­schei­dun­gen kön­nen und dür­fen nicht hin­ter ver­schlos­se­nen Türen statt­fin­den. Es müs­se in Aurich mög­lich wer­den, auch über Alter­na­ti­ven zu spre­chen.

Es kön­ne nicht ange­hen, das den Rats­mit­glie­dern eigent­lich nur noch Beschluß­vor­la­gen gereicht wer­den, die dann – bis­wei­len auch im Schnell­ver­fah­ren – „alter­na­tiv­los” zu behan­deln sind. Am Ende kön­nen wir zu allem doch nur noch Ja oder Nein sagen, beton­te Mey­er­holz. Was von den Bür­gern an guten und auch hilf­rei­chen Vor­schlä­gen kommt, bleibt leicht auf der Stre­cke und führt zu Unmut, wie das Bei­spiel „Hoher Wall” und ande­re zei­gen.

GfA nun doch mit Empfehlung zur BGM-Wahl

HHM_1Mit­te Janu­ar hat­te die GfA-Mit­glie­der­ver­samm­lung beschlos­sen, kei­ne Emp­feh­lun­gen für oder gegen die bei­den Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten Ulrich Köt­ting und Heinz-Wer­ner Wind­horst aus­zu­spre­chen. Alle anwe­sen­den GfA-Mit­glie­der begrüß­ten es des­halb, das es durch die Kan­di­da­tur von Hans-Her­mann Mey­er­holz nun eine Wahl­al­ter­na­ti­ve gäbe. “Ich wäre wahr­schein­lich nicht zur Wahl gegan­gen“, gestand ein GfA-Mit­glied am Ran­de der Ver­samm­lung.

Bis heu­te (7.4.) 18 Uhr hat­ten Auricher Bür­ger die Mög­lich­keit ihre Kan­di­da­tur im Rat­haus anzu­mel­den. Am Don­ners­tag (10.4.) wird der Wahl­aus­schuss um 17 Uhr im Rats­saal die drei Bewer­ber für das Amt des Bür­ger­meis­ters, Wind­horst, Köt­ting und Mey­er­holz nach abschlie­ßen­der Prü­fung bestä­ti­gen und damit die Auricher Bür­ger­meis­ter­wahl offi­zi­ell eröff­nen.

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