Kuiper seit Monaten im Wahlkampf

von Hans-Gerd Mey­er­holz

Auch wenn der 1. Stadt­rat Hart­wig Kui­per sich offi­zi­ell noch nicht bekennt, will er in Aurich als Bür­ger­meis­ter kan­di­die­ren und befin­det sich des­halb schon seit Mona­ten im Wahl­kampf. Er war­tet nur noch dar­auf, geru­fen zu wer­den, ent­we­der von der CDU, der SPD oder von bei­den. Zumin­dest die Zustim­mung der SPD scheint (noch) frag­lich, denn MdB Saat­hoff sag­te am 9.6. auf dem klei­nen Par­tei­tag in Aurich-Wal­le: „Es gehö­re zum Selbst­be­wusst­sein einer Par­tei wie der SPD, eige­ne geeig­ne­te Bewer­ber für das Bür­ger­meis­ter­amt in Aurich zu suchen”.

Fin­det die SPD die­se nicht, könn­te der Hese­ler Steu­er­be­ra­ter Kui­per als Kan­di­dat für die Nach­fol­ge des „Auer­kers für Auerk” antre­ten. Leich­ter wäre es natür­lich, wenn Kui­per zügig der SPD bei­tritt. Dann braucht die SPD nicht mehr zu suchen.

War­um ist Kui­per bereits im Wahl­kampf?

Ent­ge­gen bes­se­ren Wis­sens hat er noch zahl­rei­che mil­lio­nen­schwe­re Pro­jek­te in den Haus­halt 2018 auf­ge­nom­men und die­se gegen­über der Pres­se für rich­tig erklärt (sie­he Pres­se­ar­ti­kel am 1.2.2018). War­um hat Kui­per wohl den sich anbah­nen­den Ein­bruch der Gewer­be­steu­er als einer der weni­gen nicht zur Kennt­nis neh­men wol­len? Er hat­te doch schließ­lich noch im Herbst 2017 mit Ener­con-Chef Kett­wig über die sich anbah­nen­de Ent­wick­lung auf Augen­hö­he ver­han­delt?

Und Kui­per scheu­te sich auch nicht, Bür­ger­meis­ter Wind­horst bei der Ede­ka-Eröff­nung in Sand­horst offi­zi­ell zu ver­tre­ten. Hat er ver­ges­sen, dass er gar kein stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­meis­ter ist und über­se­hen, dass der vom Rat gewähl­te stell­ver­tre­ten­de Bür­ger­meis­ter Hin­rich Röben eben­falls anwe­send war?

Kui­per äußert sich öffent­lich dahin­ge­hend, abwar­ten zu wol­len, „wie sich der Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess ent­wi­ckelt und weist hier­bei auf das Vor­schlags­recht des Bür­ger­meis­ters in der Fra­ge nach einem Kan­di­da­ten und die Zustän­dig­keit des Stadt­rats hin” (OK am 28.4.2018). Das ist natür­lich Unsinn, denn der Bür­ger­meis­ter hat weder ein Vor­schlags­recht noch ent­schei­det der Stadt­rat. Schon seit vie­len Jah­ren wäh­len die Bür­ger den Bür­ger­meis­ter unmit­tel­bar. Zwar kann Kui­per als Ein­zel­kan­di­dat kan­di­die­ren, aber wenn er die Unter­stüt­zung von Par­tei­en anstrebt, müs­sen die­se das auf einem Par­tei­tag beschlie­ßen.

Eigent­lich ist es selbst­ver­ständ­lich, dass der Bür­ger­meis­ter der Stadt Aurich auch in Aurich wohnt und lebt. Den­noch hat Kui­per sich hier­zu bis­her nicht geäu­ßert. Und ein zwei­tes Bei­spiel Beek­huis braucht nie­mand. Beek­huis hat­te bekannt­lich ver­spro­chen, für den Fall sei­ner Wahl in den Land­tag in den Wahl­kreis Witt­mund zu zie­hen. Dar­über aber spricht er nach der Wahl nicht mehr; das Zubrot als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD im Kreis­tag Aurich und die Hoff­nung, im kom­men­den Jahr als Land­rats­kan­di­dat gegen Harm-Uwe Weber anzu­tre­ten und zu gewin­nen, hält ihn davon ab, das den Wäh­lern gege­be­ne Ver­spre­chen ein­zu­lö­sen.

Wie konn­te es mit einem Finanz­ex­per­ten Kui­per an der Stadt­spit­ze pas­sie­ren, dass Aurich trotz vie­ler 100 Mil­lio­nen Ein­nah­men aus der Gewer­be­steu­er einen nie gekann­ten Schul­den­berg auf­ge­baut hat und in die­sem Jahr bis zu 70 Mio. Euro Kas­sen­kre­dit auf­neh­men muss, um die lau­fen­den Aus­ga­ben zu decken? Natür­lich kann der 1. Stadt­rat die Ver­ant­wor­tung hier­für auf den Rat schie­ben, weil die­ser schließ­lich die Haus­hal­te beschlos­sen hat; doch der seit dem 1.7.2007 für die Finan­zen der Stadt ver­ant­wort­li­che 1. Stadt­rat hat dem Rat alle Haus­hal­te zum Beschluss vor­ge­schla­gen. Die Ver­ant­wor­tung ist damit ein­deu­tig ihm zuzu­ord­nen.

Und jetzt will Kui­per kei­ne neu­en Pro­jek­te mehr, son­dern sanie­ren?! Und den Rat for­dert Kui­per auf: „Es nützt jetzt kein Kle­ckern, wir müs­sen klot­zen” und schlägt vor: Steu­ern erhö­hen, Gebüh­ren für De Baal­je anhe­ben, Regen­was­ser­ge­bühr ein­füh­ren usw..

Und nicht nur für den 1. Stadt­rat kommt alles völ­lig uner­war­tet. Der SPD-Stadt­ver­bands­vor­sit­zen­de Sebas­ti­an Schul­ze weiß, „dass das Pro­blem nicht exor­bi­tan­te Aus­ga­ben, son­dern weg­bre­chen­de Steu­er­ein­nah­men sind.” Und Frak­ti­ons­che­fin Hart­mann-Seibt führt auf dem klei­nen Par­tei­tag der SPD aus, dass nie­mand wis­sen konn­te, dass die Gewer­be­steu­er so dras­tisch ein­bricht.

Dabei stand alles schon in der Zei­tung, man hät­te es nur lesen müs­sen, z. B. am 7.12.2017 in den ON: Zitat: In sei­ner neu­es­ten Kun­den­bro­schü­re „Wind­blatt“ schreibt Ener­con: Es dro­hen 2019 und 2020 schwe­re Ein­brü­che beim Wind­zu­bau, die nicht nur die Windin­dus­trie bedro­hen. Die finan­zi­el­len Fol­gen für Aurich wer­den unse­re Rats­po­li­ti­ker im Herbst 2018 sicher sehr über­ra­schen, weil ihnen ja kei­ner sagt, was pas­sie­ren wird. Über­ra­schung: Nixcht im Herbst, bereits im Früh­ling ist es pas­siert!

Wie gesagt, für den 1. Stadt­rat Kui­per und die SPD kommt das alles völ­lig uner­war­tet. Man hät­te es ihnen wirk­lich sagen müs­sen!

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